Problematik der Firma Herzog

Ob in der Fischerei & Seefahrt, dem Flugzeugbau oder der Textilindustrie – überall sind Flecht- und Spulmaschinen der Firma Herzog zur Herstellung von Seilen, Tauen und Carbon- und Glasfasergeflechten gefragt. Dabei gleichen die Maschinen einem Logik-Rätsel, bei dem viele einzelne Schritte parallel ablaufen und aufeinander abgestimmt werden müssen. Bei nur einem Konfigurationsfehler kann es aufgrund der hohen Geschwindigkeit der Antriebseinheiten (Flugräder) zu einer Kollision der Flechtmaterialspeicher und damit zu schweren Schäden kommen. Vor diesem Hintergrund und dem kontinuierlichen Komplexitätszuwachs moderner Flechtmaschinen wurde ihre manuelle Konfigurierung schließlich zu einem Ding der Unmöglichkeit.

Lösungsansatz des OFFIS

An dieser Stelle kam das OFFIS mit seinem Fachbereich Produktion unter der Leitung von Dr. Frank Oppenheimer ins Spiel. Die Idee: eine Planungs- und Konfigurationssoftware, die eine digitale Überprüfung der jeweiligen Konfiguration ermöglicht und dabei Fehler erkennt. Zu diesem Zweck hatte Herzog bereits eine eigene Softwareversion entwickelt, die aber weniger flexibel und in ihrer Anwendung auf ein spezielles Maschinenmodell beschränkt war. Das OFFIS entwickelte daher eine Software, die universell für alle Maschinen einsetzbar ist und individuell programmiert werden kann.

Warum handelt es sich bei dieser Forschungskooperation um ein Best-Practice Beispiel?

Eine Reihe von Aspekten der Kooperation zwischen Herzog und OFFIS kann exemplarisch herangezogen werden, um zu verdeutlichen, wie die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft idealerweise abläuft.

Problembewusstsein

Eine jede Forschungs- und Entwicklungskooperation steht und fällt mit der Fähigkeit des Unternehmens zur klaren Formulierung seines Problems sowie den damit verbundenen Lösungserwartungen. Dass eben dieses Problembewusstsein und die Lösungsvision bei der Firma Herzog vorhanden war, zeigt sich besonders anschaulich daran, dass bereits eigene Versuche zur Entwicklung einer entsprechenden Software unternommen worden waren. Somit war das Zielprodukt der Zusammenarbeit von Beginn an klar vor Augen und die Kommunikation vor und während der Kooperation deutlich vereinfacht.

Technologietransfer

Die Zusammenarbeit ist ein Paradebeispiel für den klassischen Technologietransfer, bei dem an einer Forschungseinrichtung in mehr oder weniger spezifischer Form bereits eine anwendungsreife Technologie vorhanden ist. Diese muss dann nur noch auf den konkreten Anwendungsfall zugeschnitten und implementiert werden. Vertraglich wurde dazu konkret definiert, welche Partei welche Pflichten und Rechte hat, auf welche Summe sich die Kosten belaufen und schließlich welche Abnahmebedingungen nach Kooperationsende gelten.

Geförderte Fortsetzung der Kooperation

Zu Beginn hatte die Kooperation somit einen klassischen Werkvertragscharakter, bei dem das Endprodukt weitestgehend feststand. Allerdings hörte die Zusammenarbeit dort noch nicht auf. Im Anschluss bewegte sich die Partnerschaft von einer eher pragmatischen Aufgabenstellung zu einer forschungslastigeren Tätigkeit, bei der beide Seiten im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) aktuell Fördergelder erhalten. In Zukunft soll dann nicht nur eine softwarebasierte Unterstützung des Konfigurationsprozesses, sondern seine vollständige Automatisierung im Fokus stehen.

Die Zusammenarbeit zwischen Herzog und OFFIS ist damit ein gutes Beispiel, wie aus einem ausgereiften Problembewusstsein und einem klassischen Technologietransfer innovative Impulse und weiterführende Forschungsvorhaben entstehen können.